Die Tischtennis-Zwillinge mit dem Sieger-Gen (Bericht in der PNP vom 28.12.2022 - Sport überregional)

Jonas und Fabian Rinderer dominieren bei den Bayerischen Meisterschaften im Einzel, Doppel und Mixed der Altersklasse U13.


Von Michael Kramhöller


Ruhmannsfelden. Dreimal die Nummer eins und zweimal die Nummer zwei bei Bayerischen Tischtennis-Meisterschaften – mehr geht nicht. Mit dieser grandiosen und bisher wohl einmaligen Erfolgsausbeute haben die Zwillingsbrüder Jonas und Fabian Rinderer, Toptalente des Turnvereins 1892 Ruhmannsfelden, den Titelturnieren der Altersklasse U13 ihren Stempel aufgedrückt. Miteinander machten die beiden Zwölfjährigen im Doppelwettbewerb ihr Meisterstück. Jonas triumphierte zudem in den weiteren Konkurrenzen Einzel und Mixed, in denen Fabian nur seinem Bruder den Vortritt lassen musste und zweimal als Vizechampion auf dem Stockerl stand.
Der totale Triumph bei den Bayerischen Meisterschaften bedeutet die Krönung eines famosen Sportjahres der beiden Talente, deren Karriere bereits im Kindergartenalter begonnen hat. Die Zwillinge sind ehrgeizig, diszipliniert und trainieren meist sechsmal pro Woche, sind aber ziemlich unterschiedliche Spielertypen. Jonas verblüfft mit stoischer Ruhe, agiert stets beherrscht und kontrolliert, zeigt auch in heiklen Situationen kaum Gefühlsregungen. Dagegen hält Fabian seine Emotionen nicht zurück. Er schimpft und hadert schon mal und seine Körpersprache verrät, ob es läuft oder nicht. Die Zwillinge wollen natürlich in die Fußstapfen ihres älteren Bruders treten. Daniel Rinderer (20) wechselte schon mit 14 Jahren vom TV Ruhmannsfelden zum FC Bayern München und zählte in der Jugendzeit zu den besten Nachwuchsspielern Deutschlands. Seit dieser Saison spielt nun Daniel für den TTC Fortuna Passau in der 2. Bundesliga und wurde gleich zum Mannschaftskapitän ernannt.
„War schon ganz gut“. In seiner sachlich-nüchternen Art kommentiert Jonas Rinderer den Triple-Triumph bei den Bayerischen Meisterschaften in Dillingen/Schwaben, bei denen er und sein Bruder Fabian auf der Setzliste ganz oben standen. Die zwei Ruhmannsfeldener wurden ihren Favoritenrollen in eindrucksvoller Manier gerecht - im Einzel, im Doppel und schließlich auch im gemischten Doppel, nachdem Jonas und Fabian im Mixed mit Zoe-Loreen Sommer (TSV Oberstdorf) beziehungsweise Nina Ott (RV Viktoria Wombach) an die Tische gingen. „Sie haben angefragt, ob wir mit ihnen spielen wollen und wir haben Ja gesagt“, schmunzelt Fabian, wohl wissend, dass die Partnerinnen ebenfalls zu den Besten in Bayern zählen.
Ebenfalls tonangebend und im Eiltempo marschierten die Zwillinge im Einzel durch die K.o.-Runde. Im Endspiel ging Fabian zwar couragiert zu Werke, doch Jonas hatte fast immer die richtige Antwort parat und gestattete seinem Bruder lediglich einen Satzgewinn.
Nach den Titelkämpfen gab es keine Verschnaufpause für die Rinderers, ein weiterer Lehrgang stand im Terminkalender. Schon am nächsten Tag ging es nach Frankfurt/Main zu einer dreitägigen DTTB-Sichtung mit den elf besten deutschen Talenten der Jahrgänge 2009 und jünger. Vor den Bayerischen Meisterschaften hatten beide bei den TOP 14-Turnieren des BTTV aufhorchen lassen. Jonas avancierte nicht nur in der U13 zur Nummer eins, sondern ließ auch in der älteren Altersklasse U15 die gesamte Konkurrenz hinter sich. Fabian wurde Zweiter in der U13 und Fünfter in der U15. Selbst die niederbayerischen Meisterschaften der Herren standen ganz im Zeichen der zwölfjährigen Zwillinge aus Ruhmannsfelden. Sie gewannen den Doppeltitel und im Einzel-Endspiel zwang Jonas seinen Bruder nach fünf packenden Sätzen in die Knie.
Bei den Erwachsenen haben die beiden Ausnahmetalente heuer auch im Mannschaftsspielbetrieb für Furore gesorgt. Die Rinderer-Buben kämpfen im Team des TV Ruhmannsfelden in der Landesliga Südsüdost um Punkte, haben sich zu Leistungsträgern entwickelt und maßgeblich dazu beigetragen, dass die Waldler nach der Vorrunde auf Platz drei stehen. Jonas hat im Spitzenpaarkreuz eine tolle Bilanz von 14:4 erreicht. Der Zwölfjährige ließ mehrere arrivierte Topleute, die schon höherklassig gespielt haben, alt aussehen. Aber auch Fabian legte im mittleren Paarkreuz überzeugende Vorrundenauftritte hin, die mit einer Bilanz von 11:5 belohnt wurden. Im Doppel gewannen die beiden Youngster neun Partien und mussten sich nur den zwei Paaren des designierten Meisters TSV Siegsdorf jeweils nach fünf Sätzen geschlagen geben.
Einen bemerkenswerten Erfolg landeten Jonas und Fabian bei einem internationalen Wettbewerb. Beim Grand-Prix-Turnier in der tschechischen Hauptstadt Prag zogen sich die Ruhmannsfeldener glänzend aus der Affäre und überraschten mit Platz zwei. Für Jonas kam noch das Weltranglistenturnier in Senec/Slowakei hinzu, bei dem er den Sprung ins Achtelfinale schaffte.
Dass die Zwillinge immer besser werden, freut nicht nur die verantwortlichen Trainer im Bayerischen Tischtennisverband und im Deutschen Tischtennisbund, sondern auch die Eltern Hans und Petra, sehr gute und noch aktive Tischtennisspieler. „Jonas hat bei der Spieleröffnung und beim Vorhand-Topspin gute Fortschritte gemacht, Fabian ist beim Angriffsspiel und bei den Aufschlägen stärker geworden“, erzählt Vater Hans. Die Eltern investieren viel Zeit und Geld für Training, Betreuung sowie Wettkampf- und Lehrgangsfahrten – genau wie vorher bei Bruder Daniel, der die Feiertage mit der Familie verbringen wird. Aber auch zwischen den Jahren ist Training angesagt, zumal eine Premiere ansteht. Bei den Bayerischen Meisterschaften der Herren am 21./22. Januar in Neumarkt/Oberpfalz wird ein Rinderer-Rinderer-Doppel an den Start gehen. Daniel hat sich als Partner seinen kleinen Bruder Jonas ausgesucht, der sich als niederbayerischer Meister das Startticket schnappte und mit strahlendem Gesicht dem Doppel-Einsatz mit seinem Vorbild entgegen fiebert.


verfasst am 07.01.2023